Viele der rund 60 Gäste sind hier, um von Vorbildern zu lernen. Joey Kelly, der über 50 Marathons, 31 Ultramarathons, 13 Ironmans und 5 Races Across America bestritt, zählt sicher für viele Anwesenden zu den Legenden.
Der 52-Jährige erzählt offen aus seinem Leben, das anfangs nicht in Richtung Extremsport deutete. Dafür war es von anderen Extremen gezeichnet: Der frühe Tod der Mutter. Das harte Leben auf der Straße. Durchschnittlich 20 Konzerte pro Woche. Joey besuchte nie eine Schule, erfuhr nur rudimentäres Homeschooling durch den Vater. Für die Familie gab es nur einen Plan A: Musik. Harte Arbeit. Musik.
Mit Straßenkonzerten zum Unternehmer geworden
Und der Plan ging auf, als die Kelly Family 1994 mit dem Album „Over the Hump“ fast über Nacht in den Charts landeten. Der Beginn einer großen Karriere. „Wir haben sogar vor dem Papst gesungen. Das war ein heiliger Moment“, erinnert sich Joey.
Der unternehmerische Geist erwachte in Joey, als er bei Straßenkonzerten mit dem Hut herumlief und Geld einsammelte. Schon in jungen Jahren übernahm er die Verantwortung im Familiengeschäft für Buchhaltung, Finanzen und Verträge. Heute ist er selbstständig mit vier Jobs und neun Angestellten. „Damit ein Team funktioniert, braucht es eine gute Atmosphäre und Vertrauen.“ Joeys Strategie für ein harmonisches Team lautet daher: „Gib mehr als du nimmst.“ Und: „Wenn du führen willst, dann musst du bereit sein, an vorderster Front zu sein und Verantwortung zu übernehmen.“
Ein Schicksalsschlag als Weckruf
Der frühe Tod seiner Schwester vor vier Jahren war Joeys Weckruf. „Wir haben nur dieses eine Leben.“ Er rät seinem jungen Publikum: „Wartet nicht zu lange, eure Träume zu verwirklichen.“ Dass dies keine hohle Phrase ist, verdeutlicht die Panamericana-Reise, die er mit Frau und vier Kindern kurz nach diesem tragischen Ereignis unternahm: Über drei Monate bereisten sie die berühmte Straße von Kanada bis nach Südamerika.
Warum er sich all diesen Herausforderungen und vor allem dem Extremsport stellt? „Weil sie ein Ausgleich sind und mir neue Energie geben.“ Die Studierenden sind neugierig geworden, stellen Fragen, von deren Antworten sie sich Inspiration für ihre Zukunft erhoffen. Wie Joey reagiere, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft? „Aufgeben ist keine Option,“ empfiehlt er. „Man muss nicht als erster durchs Ziel kommen, die Zeit ist egal. Hauptsache, man läuft irgendwann durchs Ziel.“ Und was sein Rat an zukünftige Unternehmerinnen und Unternehmer sei? Ihm fällt einiges dazu ein: Sich mit Leuten umgeben, die Mut und Optimismus besitzen. Sich selbst Zeit geben. Gut kalkulierte Risiken eingehen. Und die Komfortzone ausweiten. Dazu gehören auch das Scheitern und Aufstehen.
Joey macht nicht nur mit seinen Worten, sondern mit seinem ganzen Leben Mut, sich den Herausforderungen zu stellen. Mitspielen, statt am Rand zu stehen. Die Studierenden des TUM Campus Heilbronn stehen schon in den Startlöchern, Joey gibt ihnen an diesem Abend Starthilfe. Jeder möchte von dieser Legende lernen.