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Direkteinstieg
Eine Gruppe von Studierenden neben ihren Betreuern bei der Firma Wittenstein.

Wie Studierende reale Produktionsprobleme lösen

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Fünf Tage, vier Studierende der Technischen Universität München (TUM), eine mittelständische Firma. Das ist die Projektwoche 1000+, in der nicht der Hörsaal im Mittelpunkt steht, sondern die Lösung eines realen Industrieproblems.

Mit dabei aus der Region Tauberfranken ist die WITTENSTEIN SE, die Getriebe, Motoren und Elektroniken sowie hochpräzise Antriebssysteme und -lösungen, Nanotechnologie und spezifische Softwarelösungen entwickelt, produziert und vertreibt. Ein familiengeführter und technologisch stark spezialisierter Hidden Champion.

Auf einem Montagetisch liegen Zahnräder mit einer Bohrung. Kleine Kästen mit Metallstiften, sogenannten Nadelrollen, stehen sauber aufgereiht daneben. Ein langer Pinsel streicht Schmierfett in die Bohrung. Eine Pinzette greift nach den kleinen Nadeln. Steckt sie ein: greifen, stecken, greifen, stecken. Hier arbeitet kein Roboter, sondern eine Dame mit flinken Händen.

Bei WITTENSTEIN werden neben unter anderem hochwertige spielarme Planetengetriebe gefertigt – für Einsatzgebiete, in denen höchste Präzision gefragt ist, etwa in der Automatisierungstechnik, Raumfahrt und Medizintechnik. Jeder Anwendungsbereich erfordert eine eigene Art von Schmierfett und „Benadelung“. Fehler dürfen hier nicht passieren, vor allem nicht bei den Getrieben für die Lebensmittelindustrie.

Die Ingenieure Markus Grein, Konstantin Michels und Dr. -Ing. Lars Aldinger arbeiten an einer Neuentwicklung des Benadelungsprozesses. Die drei sind sich einig: „Wir müssen die Prozesse verschlanken und sicherer machen.“ 



Mit Prototyp aus Pappe Ideen greifbar machen

 

Hier kommen die vier TUM-Studierenden ins Spiel: Burak Toca, Ahmad Hussainzada, Leonard Krümel und Sakhobiddin Abdukhakimov. Für eine Woche tauchen sie in den Prozess ein. Als Ideengeber und Diskussionspartner. Aber auch als Praktiker. Sie bauen ein Mockup für die Problemstellung: ein Arbeitsplatz aus Pappe und Holz. Und sie haben sichtlich Freude daran. „Hier können wir direkt sehen, was funktioniert und was nicht“, sagt Sakhobiddin, der seinen Master in Management und Digital Technology am TUM Campus Heilbronn macht. 

Die vier lernen auch „Poka Yoke“, das japanische Prinzip des Qualitätsmanagements, kennen. Kurz gesagt: Dinge so zu gestalten, dass Fehler gar nicht erst passieren können. Das setzen sie mit konkreten Ideen am Modell um. Dort werden später „Grease Cubes“  eingesetzt, die je nach Anwendungsbereich das korrekte Schmierfett ausgeben, ein LED-System zeigt an, welches Fett gerade verwendet wird. 

 

Perspektivwechsel von außen


Die Projektbetreuer Grein und Aldinger haben sich die universitäre Sichtweise ganz bewusst ins Boot geholt. „Geh davon aus, dass du nicht alles weißt“, äußert Markus Grein. Und er fügt hinzu: „Wir brauchen den Perspektivwechsel von außen.“ Im engen Austausch mit den Studierenden kommt frischer Wind in die Entwicklung. Und vielleicht sogar die eine oder andere unbefangene Herangehensweise. 

„Das ist ein wirklich gut durchdachtes Projekt“, sagt Leonard. Er studiert Robotics, Cognition and Intelligence. Am Ende der Woche stellen die Studierenden ihr Modell den Ingenieuren von WITTENSTEIN  vor. „Die semi-automatisierte Lösungen finden guten Anklang “, freut sich Leonard. Und Ahmad ergänzt: „Ich habe etwas gelernt, mit dem ich zuvor in den Vorlesungen noch nie konfrontiert war. Das war eine großartige praktische Erfahrung.“

Wird die Handlungsempfehlung die Dame mit den flinken Händen überflüssig machen? Nein. Bei WITTENSTEIN bleibt der Mensch zentral. Die Technik soll unterstützen, nicht ersetzen. Die Studierenden haben ihren Teil dazu beigetragen, dass der Benadelungsprozess künftig ergonomischer, sicherer und einfacher wird.

 

Ist die TUM 1.000+ Projektwoche für Sie interessant? Melden Sie sich gerne bei uns: 1.000plus(at)cit.tum.de.